Appell für Recht auf Seenotrettung

2000 Menschen haben am Samstag gegen das Ertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer demonstriert / OB Horn einer der Redner.  

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Die Teilnehmer der Demo forderten ein Umdenken der Politik. Foto: thomas kunz

FREIBURG-INNENSTADT. "Wenn uns die Schicksale im Mittelmeer kalt lassen und stattdessen Menschen, die sich für andere Menschen in Not einsetzen, Haftstrafen drohen, läuft politisch einiges schief in unserem Land und auf dem Kontinent." Martin Horn fand am Samstagmittag auf dem Platz der Alten Synagoge deutliche Worte. Der Oberbürgermeister war auf der Kundgebung einer der Redner, die auf das Ertrinken Tausender Flüchtlinge auf dem Mittelmeer aufmerksam machten.

Neben zwei Flüchtlingsfrauen und den Mitgliedern der Freiburger Aktionsgruppe des bundesweiten Bündnisses "Seebrücke. Schafft Sichere Häfen", die bereits zum zweiten Mal eine Demo organisierte, sprach auch Tim Groteclaes. Der Freiburger Medizin-Student berichtete von einem Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer im Juni. An Bord eines Schiffes der Hilfsorganisation Sea-Eye unterstützte er zwei Wochen lang Helfer bei der Versorgung von Schiffbrüchigen. "Die EU verlässt sich auf die libysche Küstenwache, anstatt vorhandene Ressourcen zu nutzen", kritisierte der 24-Jährige.

Ihn mache es fassungslos, dass er und seine Mitstreiter in der politischen Diskussion nicht als Seenotretter, sondern als Schmuggler betrachtet werden. Wenn dazu noch Wörter wie etwa "Asyltourismus" salonfähig werden, müsse man ein deutliches Zeichen setzen. "Denn in so einem Europa möchte ich nicht länger leben", betonte er unter dem Applaus von laut Polizei und Veranstalter bis zu 2000 Menschen.

Diese zogen nach der Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge, teils mit Plakaten, friedlich über die Rempartstraße, die Kaiser-Joseph-Straße und den Bertoldsbrunnen in Richtung Sedanviertel. Vor dem Konzerthaus und auf der Wiwilí-Brücke gab es eine Abschlusskundgebung. Dabei bastelten mehrere Teilnehmer auch kleine orangene Boote und schmückten damit die Brücke. Am Rande der Abschlussaktion kam es laut Polizei zu einem Zwischenfall. Von einem der Brückenpfeiler zündete jemand eine sogenannte Seenotrettungs-Rauchfackel. Dies führte zu einer Rauchentwicklung, verletzt wurde niemand. Gegen den Mann, dessen Personalien festgestellt wurden, wird nach Angaben eines Polizeisprechers nun ermittelt.

Insgesamt lobte die Polizei aber den reibungslosen Verlauf der Demonstration. Auch die Freiburger Aktionsgruppe der im Juni gegründeten Initiative Seebrücke zeigte sich sehr glücklich. "Wir haben es geschafft, das Thema aktuell zu halten, und der heutige Zuspruch gibt uns Aufwind und Motivation, genauso weiter zu machen, damit sich endlich was ändert", sagte Mitveranstalter Markus Wichmann nach der Veranstaltung.

Dieser hatten sich mehrere politische Parteien und Gruppierungen angeschlossen. Unter den Teilnehmern waren neben OB Horn auch Stadträte sowie der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler. Auch der langjährige SC-Trainer Volker Finke, der sich schon mehrfach zur Flüchtlingspolitik geäußert und sich nicht nur als Fußballtrainer auf dem afrikanischen Kontinent engagiert hat, reihte sich ein. Bereits am 14. Juli hatte die Seebrücke wie in anderen Städten in Freiburg eine Demo organisiert, auf denen sich Hunderte Menschen für Humanität aussprachen und von der Politik sichere Fluchtwege und die Entkriminalisierung der Seenotrettung forderten.
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