Infrastruktur
Gemeinderat St. Blasien steht Sanierung wohlwollend gegenüber
Das ehemalige Gasthaus Hirschen in der St. Blasier Innenstadt steht seit Jahren leer. Ein Investor beabsichtigt nun, das Gebäude zu kaufen, zu sanieren und zu erweitern. Der Denkmalschutz wird aber zum Problem.
Fr, 4. Apr 2025, 19:00 Uhr
St. Blasien
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In der Vergangenheit hatten sich mehrere Investoren für das Anwesen interessiert, deren Pläne, unter anderem Abriss des Gebäudes und Neubau mit Wohnungen, scheiterten aber am Widerstand des Denkmalschutzamtes. Nun aber ist ein weiterer, örtlicher Investor auf den Plan getreten. Er möchte das Gebäude sanieren und um ein Stockwerk aufstocken, entstehen sollen dauerhaft zu vermietende Wohnungen, mehrere Ein- und Zweibettzimmer zur Vermietung an Feriengäste sowie eine Gastwirtschaft. Aus Sicht der Stadt eine solide, städtebauliche und wünschenswerte Planung. Diese sei auch in Hinblick auf das Projekt "Neue Mitte", das den Abriss des Ochsenstalls und damit den Verlust von Wohnraum vorsieht, zu begrüßen, erklärte Frank Defrenne (CDU).
Aus Sicht der Stadt berücksichtigt das Vorhaben auch denkmalschutzrechtliche Belange. Das sieht die Denkmalschutzbehörde allerdings anders, die geplante Aufstockung um ein Stockwerk wird in Hinblick auf besondere und schützenswerte Dachbalken als nicht tragbar angesehen. "Die Belange des Denkmalschutzes sind nicht auflösbar", sagte Bürgermeister Probst dazu und äußerte die Befürchtung, dass der Investor abspringen könnte. Dies sei mit den Interessen der Stadt, die auch wirtschaftliche, soziale, städtebauliche, touristische, architektonische und kulturelle Aspekte zu berücksichtigen habe, nicht vereinbar, betonte er. Es könne nicht sein, dass denkmalschutzrechtliche Bedenken über allen anderen Belangen stünden. Es sei nicht einzusehen, dass die versteckten und von außen nicht zu erkennenden Balken so hoch gehängt würden, dass die gesamte Bautätigkeit gebremst werden, so auch Christoph von Ascheraden (Freie Wähler). Eine Abwägung, bei der der Erhaltung der Bausubstanz der Vorrang gegeben werde, erscheine nicht stimmig.
Zum weiteren Vorgehen erklärte der Rathauschef, dass in einem nächsten Schritt der Bauantrag eingereicht und damit das förmliche Verfahren eingeleitet werden soll. Gegebenenfalls müsse auch ein sogenanntes Dissensverfahren angestrebt werden, bei dem die blockierende und verzögernde Haltung des Denkmalamtes zwar Berücksichtigung finde, aber nicht allein entscheidend zugrunde gelegt werde – ein aus Sicht der Stadt ein geeigneter, erforderlicher und angemessener Weg, um das Anwesen vor dem Totalverfall zu retten.
Sollte dies nicht gelingen, zeichnete Bürgermeister Probst ein düsteres Bild für die Zukunft von Gebäude und Grundstück: Ob ein weiterer Investor gefunden werden könne, sei nach den Jahre erfolgloser Bemühungen und dem immer schlechter werdenden Zustand des Gebäudes als sehr unwahrscheinlich, zumal davon ausgegangen werden müsse, dass den Vorstellungen des Denkmalschutzes von heimischen Investoren keine Rechnung getragen werden könne. Zu befürchten stehe, dass das Gebäude weiterhin dem Verfall anheimgegeben werden, bis die Denkmaleigenschaft erlösche. Eines ist dem Rathauschef wichtig: die Verhinderung des Kaufs durch einen Investor ohne Bau- und Nutzungsabsicht. Dies könne nicht im Interesse der Öffentlichkeit liegen.
Am Ratstisch war man sich einig, den geplanten Bauantrag wohlwollend zu prüfen.