Historischer Fall
So flog die Skelett-Verwechslung beim Schinderhannes auf
Seit mehr als 200 Jahren denkt man in Heidelberg, die Knochen des legendären Räubers zu haben. Das stimmt auch. Allerdings ist das Skelett ein anderes als angenommen.
dpa
Mi, 26. Mär 2025, 20:15 Uhr
Südwest
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Ein heute lebender Verwandter des berüchtigten deutschen Banditen Schinderhannes hat geholfen, unter den Gebeinen verschiedener Räuber das richtige auszumachen. Damit sei ein historischer Verwechslungsfall endlich geklärt, hieß es von der Universität Heidelberg. Eine Skelett-Replik des Räuberhauptmannes, der vor mehr als 200 Jahren westlich des Rheins sein Unwesen trieb, ist in der Medizinischen Fakultät der Uni zu sehen.
Der Schinderhannes war einer der berüchtigtsten deutschen Räuber seiner Zeit. Vor mehr als 200 Jahren trieb er als Dieb, Räuber und Mörder sein Unwesen. Nach verherrlichenden Darstellungen in Literatur und Film ist er heute Namensgeber für Restaurants und einen Radweg.
Einer der berüchtigsten Räuber seiner Zeit
Vermutlich Ende der 1770er-Jahre wurde Johannes Bückler in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Miehlen geboren. Die Familie zog in den Hunsrück. Den Namen Schinderhannes soll Bückler mit seiner Arbeit bei Abdeckern erklärt haben, also Beseitigern von Tierkadavern, die regional Schinder genannt wurden.
Mit seiner Bande überfiel der Räuberhauptmann Häuser reicher Kaufleute und erpresste mit Drohbriefen größere Geldsummen. "Insgesamt beging die Bande 211 Delikte in sechs Jahren, alle Versuche, sie dingfest zu machen, scheiterten", wie es auf der Internetseite der Stadt Simmern heißt. Bückler und viele seiner Komplizen wurden schließlich doch gefangen, 1803 zum Tod durch das Fallbeil verurteilt und geköpft.

Was passierte in den zwei Jahrhunderten danach? Der erste Lehrstuhlinhaber der Anatomie der Universität Heidelberg, Jacob Fidelis Ackermann, brachte nach Angaben der heutigen Uniklinik zwei Skelette in sein Institut. Diese sollten vom Schinderhannes und einem Mittäter namens Schwarzer Jonas stammen. "Offenbar kam es jedoch zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Ackermanns Nachfolger Friedrich Tiedemann zu einer Verwechslung der Sammlungsnummern – und damit begann die falsche Zuordnung der Skelette", erklärte die Uni kürzlich in einer Mitteilung.
Schon seit längerem gab es Skepsis um das Schinderhannes-Skelett, wie die Kuratorin der Anatomischen Sammlung, Sara Doll, sagte. Sie habe es dann genauer wissen wollen. "Ich habe einen Kurs für forensische Anthropologie besucht." Mit diesem Wissen habe sie angefangen, die Schädel zu untersuchen. Chemische Analysen der Knochen, Bildgebungsverfahren und weitere Untersuchungen deuteten auf eine mögliche Verwechslung der beiden Skelette hin. Klarheit brachte ein heute lebender Familiennachfahre in fünfter Generation über einen genetischen Vergleich. Es handle sich um einen Nachkommen von Schinderhannes' Schwester, sagte Doll. Weitere Details verriet sie nicht.
Chemische Analysen und Bildgebungsverfahren gaben Hinweise auf die Verwechslung
Nach Angaben der Medizinischen Universität Innsbruck ist mit dieser Analyse nun endgültige Sicherheit erreicht. "Für mich ist es superwichtig zu wissen, wen ich hier habe", sagte Doll.
Erste widersprüchliche Angaben wurden nun bereits geklärt: "Die Daten deuten darauf hin, dass Schinderhannes braune Augen, dunkle Haare und einen eher blassen Hautton hatte", erklärte Walther Parson von der beteiligten Medizinischen Universität Innsbruck. Das echte Skelett wurde aus konservatorischen Gründen aus der Ausstellung in Heidelberg entfernt. Zu sehen ist in der Anatomischen Sammlung des Instituts für Anatomie und Zellbiologie aber eine Replik.