Geheimnisvolles Gemälde

Rembrandts Comedy-Seite

Die Karnevalsmetropole Köln besitzt ein berühmtes Gemälde, auf dem Rembrandt lacht. Das gibt Kunsthistorikern nicht weniger Rätsel auf als das legendäre Lächeln der Mona Lisa.  

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Anja Sevcik steht zwischen einem Selbstbildnis von Peter Paul Rubens unter Freunden (links) und einem Selbstbildnis von Rembrandt (rechts). Foto: Oliver Berg/dpa

Quelle: Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Die BZ-Redaktion hat diese Meldung nicht redaktionell bearbeitet.

Köln (dpa) - Kuratorin Anja Sevcik steht zwischen zwei Männern - Rubens und Rembrandt. Rechts von ihr hängt ein Selbstporträt des flämischen Barockmalers Peter Paul Rubens inmitten von Freunden, links ein Selbstbildnis des holländischen Meisters Rembrandt van Rijn in seiner charakteristischen Hell-Dunkel-Malerei. 

"Wenn ich von beiden zum Abendessen eingeladen würde, würde ich mich für Rembrandt entscheiden", gesteht die Kunsthistorikerin. "Rubens wäre sicher sehr höflich, er war nicht nur Maler, sondern auch Diplomat und Gentleman. Doch ich glaube, mit Rembrandt wäre es noch viel spannender. Auch wenn er wohl sehr launisch und ruppig sein konnte."

Lacht sich Rembrandt gerade tot?

Anja Sevcik (58) betreut im Wallraf-Richartz-Museum in Köln eines der berühmtesten Werke von Rembrandt überhaupt - ein Selbstporträt, auf dem er lacht. Das ist außerordentlich selten, denn jahrhundertelang ließ man sich fast immer nur mit ernster Miene malen, man wollte schließlich als seriöser Mensch in Erinnerung bleiben. 

Das Selbstporträt von Rembrandt ist allerdings ein ganz besonderes Bild, das sieht man schon als Laie. Der suggestive Stil, der Vieles der eigenen Vorstellungskraft überlässt, wirkt überaus modern. Man kann sich kaum vorstellen, dass das Bild vor mehr als 350 Jahren gemalt wurde, irgendwann um 1662/63, im letzten Lebensabschnitt Rembrandts (1606-1669). Als gebückter Greis mit hochgezogenen Augenbrauen blickt er den Museumsbesuchern aus dem Dunkeln heraus direkt in die Augen. "Ich habe immer das Gefühl, die Leute connecten damit", sagt Anja Sevcik.

Ein Gegenentwurf zu Selfies

Der lachende Rembrandt in der Karnevalsmetropole Köln - das ist schon sehr passend. Möglicherweise ist er dazu auch noch verkleidet. Vielleicht spielt er den griechischen Philosophen Demokrit, der über die Welt lacht. Vielleicht aber auch den griechischen Maler Zeuxis. Der soll sich sogar totgelacht haben - über eine runzlige alte Dame, die er malen sollte. Tatsächlich ist am linken Bildrand eine ältliche Gestalt im Profil dargestellt. 

Allerdings ist Rembrandt auf dem Bild nicht gerade bei einem regelrechten Lachflash zu sehen. Er lacht den Betrachter eher an, und dabei scheint auch eine Spur Melancholie mitzuschwingen. Der israelische Maler Jehuda Bacon, der das Vernichtungslager Auschwitz überlebt hat, hat auf die Frage nach dem stärksten Bild, das er jemals gesehen habe, einmal geantwortet: "Das Selbstporträt Rembrandts im Wallraf-Richartz-Museum. Lächeln und Weinen zugleich - bei Rembrandt gibt es nie eine glatte Antwort." 

So geheimnisvoll wie das Lächeln der Mona Lisa

Anja Sevcik findet Rembrandts Lachen nicht weniger rätselhaft als das legendäre Lächeln der Mona Lisa in Paris. Gerade das macht das Bild für sie so anziehend. Zur Erklärung verweist sie auf einen Ausspruch des Kölner Malers Gerhard Richter: "Ich finde Bilder schlecht, die ich begreifen kann." Bei Rembrandt habe man fast immer den Eindruck, dass man das Werk nicht völlig erfasse - "und gerade diese Vieldeutigkeit ist ja eines der wichtigsten Qualitätskriterien für Kunst". 

Das Rembrandt-Werk hängt in Köln in einem großen Saal mit vielen anderen Bildern von Barockmalern. Alles erstklassige Werke - aber nur von dem Rembrandt-Gemälde geht etwas Magisches aus. "Auch wenn ich zum x-ten Mal daran vorbeilaufe, muss ich einfach immer wieder hinschauen", erzählt Anja Sevcik. "Es hat irgendetwas an sich. Allein dieses durchdringende Gold. Oder dieser Blick von ihm. Und es ist auch ein so menschliches Bild, wie er uns da anschaut. Ohne Prätention. Ohne sich jünger oder schöner zu machen als er ist." Der Gegenentwurf zur heutigen Selfie-Kultur, könnte man sagen. Die Kunst-Expertin lächelt: "Ich habe wirklich große Empathie für ihn."

© dpa‍-infocom, dpa:250226‍-930‍-387280/2

Schlagworte: Anja Sevcik, Peter Paul Rubens, Gerhard Richter
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