Leserbrief: Ein Brief an Stadträtin Christine Amann-Vogt

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BUNDESTAGSWAHL
Zu: "Die Lahrer Wahlkarte färbt sich blau" (BZ vom 25. Februar)
Sehr geehrte Frau Amann-Vogt, mit großem Erstaunen – und einer ordentlichen Portion Fremdscham – habe ich Ihre jüngste Wortwahl zur Kenntnis genommen. Sie haben also tatsächlich Menschen, die vor Krieg und Zerstörung fliehen, in einer Sprache beschrieben, die in zivilisierten Gesellschaften eigentlich längst auf den Sperrmüll der Geschichte gehört? Interessant! Vielleicht haben Sie versehentlich in einem Geschichtsbuch geblättert anstatt in einem Wörterbuch.

Ich verstehe ja, dass es manchmal schwer ist, die richtigen Worte zu finden. Deshalb erlaube ich mir eine kleine Hilfestellung. Statt "Ungeziefer" könnten Sie zum Beispiel sagen: "Menschen, die ihr Leben retten mussten". Statt abwertender Begriffe könnten Sie vielleicht von "Schutzsuchenden" oder "Mitmenschen" sprechen. Ein gewisser Anflug von Mitgefühl wäre ebenfalls eine spannende sprachliche Innovation in Ihrem Wortschatz!

Falls Sie sich jedoch ganz bewusst für diese Wortwahl entschieden haben, womit Sie, wie ich vermute, die Ihnen zugeneigte, russlandfreundliche Lahrer Wählerschaft auf extremen Rechtskurs einstimmen wollten, hätte ich noch eine andere Frage: Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum genau diese Sprache in den 1940er-Jahren so populär war – und was daraus folgte? Ich kann Ihnen versichern: Das Kapitel endete nicht gut. Weder für diejenigen, die so sprachen, noch für die Gesellschaft als Ganzes.

Aber keine Sorge, ich bin sicher, Sie haben das nur aus Versehen gesagt. Ein dummer Ausrutscher, nicht wahr? Vielleicht einfach eine schlechte Wahl, so wie ein missglücktes Outfit oder ein verbrannter Toast. Sie würden ja nicht ernsthaft an eine Ideologie anknüpfen wollen, die Millionen Menschen das Leben gekostet hat – oder?

Falls Sie sich trotzdem nicht sicher sind, wie Sie in Zukunft über Menschen sprechen sollen, empfehle ich Ihnen eine einfache Faustregel: Wenn Ihre Wortwahl in einem Geschichtsbuch unter der Kategorie "Drittes Reich" auftauchen könnte, dann ist sie vermutlich nicht die beste Wahl.In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine erfolgreiche sprachliche Umorientierung – und einen freundlicheren Blick auf die Welt. Es lohnt sich, versprochen!
Frank Bolkenius, Friesenheim
Schlagworte: Christine Amann-Vogt, Frank Bolkenius
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