Kuriositäten
Dem Gartentor-Drama in Bad Säckingen auf der Spur – "Das Tor abgeflext? So ein Blödsinn!"
Ein vermeintlich gestohlenes Gartentor katapultierte Bad Säckingen-Rippolingen in die überregionalen Nachrichten. Die BZ ist dem Mysterium bei einer Vor-Ort-Recherche auf den Grund gegangen.
Fr, 4. Apr 2025, 17:30 Uhr
Bad Säckingen
Wir benötigen Ihre Zustimmung um BotTalk anzuzeigen
Unter Umständen sammelt BotTalk personenbezogene Daten für eigene Zwecke und verarbeitet diese in einem Land mit nach EU-Standards nicht ausreichenden Datenschutzniveau.
Durch Klick auf "Akzeptieren" geben Sie Ihre Einwilligung für die Datenübermittlung, die Sie jederzeit über Cookie-Einstellungen widerrufen können.
AkzeptierenMehr Informationen

In der Ledergasse in Rippolingen gibt es erstaunlich wenig Tore. Zwei sind aus Eisen, eines aus Aluminium und Holz. "Genau das ist es", ruft die Nachbarin von gegenüber aus dem Fenster. Vier Meter lang, ungefähr einen halben Meter hoch. Ein Jägerzaun. Nicht ganz neu. Das Tor machte Geschichte. Ein Unbekannter "in Handwerkskleidung", so schrieb es die Polizei, soll es abgeflext und mitgenommen haben. Ein Tor aus Holz und Aluminium wurde gesucht.
"Abgeflext? So ein Blödsinn!" Bruno Lehmann kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Der Zimmermann mit der gleichnamigen Werkstatt schüttelt den Kopf. "In Rippolingen kann man einen erschießen, das interessiert keinen. Aber wegen einem Gartentor kommt gleich die ganze Welt und will wissen, was los war."
"Das Ganze war ein Missverständnis."Bruno Lehman
Ja, was war denn los, Herr Lehmann, mit dem Tor? Lehmann schnauft: "Also, das Ganze war ein Missverständnis", stellt er erst mal klar. Jemand aus seinem Betrieb, "Namen nenn' ich keinen", jemand also hatte den Auftrag, ein Tor abzuholen und zu warten. "Abgeflext wurde da gar nichts", sagt Lehmann.
Die Polizei schrieb, dass das Tor gewartet wurde. "Nein, wir haben noch die Scharniere ein bisschen geschmiert, das war's." Und dann haben es die Lehmänner wieder an Ort und Stelle gebracht – 50 Meter von ihrer Werkstatt entfernt. Dort aber hätte es eigentlich nie fehlen dürfen. "Dafür hatten wir keinen Auftrag", gibt Lehmann zu.
Frisches Schmierfett gibt Hinweise
Die Dame, deren Tor entwendet wurde, rief die Polizei. Sie hatte nicht mitbekommen, dass es sich bei dem vermeintlichen Dieb um einen Zimmermann aus ihrer Straße handelte. In der Nachbarschaft seien in jüngster Zeit so viele Handwerker ein und aus gegangen, da habe man schon den Überblick verlieren können, sagt auch die Nachbarin aus dem Fenster gegenüber.
Es gibt keine Anzeichen, dass das Tor jemals gefehlt hätte. Nur kleine Reste Schmierfett am Scharnier lassen vermuten, dass es sich um das vermeintlich "abgeflexte" Gartentor in der Ledergasse handelte.
Aber welches Tor habe er denn eigentlich reparieren sollen? Bruno Lehmann will nicht rausrücken mit der Sprache. Der Auftrag sei jetzt erledigt, dabei solle man es auch belassen, winkt Lehmann ab und verschwindet in seiner Werkstatt.

Wo man gerade hier ist, schlendert man ein noch bisschen durch die Ledergasse. Von ihr ab geht der Sankt-Florian-Weg. Dort mäht ein Mann Rasen. Nein, er wisse auch nicht, wo das ominöse Tor sein könnte. "Muss wohl irgendwo im Dorf sein", mutmaßt er. Aber lustig sei die Geschichte schon.
Ein halb fehlendes Tor könnte die Lösung sein
Man geht weiter, biegt um die Kurve. Und traut seinen Augen nicht. Da fehlt ein Tor. Zwar nur die Hälfte. Aber eines aus Holz und Alu. Ein Hinweis darauf, welches das echte Auftragsobjekt sein könnte. Der Auftrag sei nicht termingebunden gewesen. Und ob das Tor einen Tag früher oder später repariert werde, machte keinen Unterschied. "Der Auftraggeber hat das gar nicht mitbekommen", sagt Lehmann bestimmt.
Jetzt wird langsam klar, wie die Verwechslung zustande kam. Das Haus, dessen Tor jetzt fehlt, liegt auf einem Handtuchgrundstück und hat deshalb zwei Eingänge: einen in der Ledergasse, mit einem Eisentor, der auch die Adresse des Anwesens bestimmt; der zweite Eingang ist auf der Rückseite des Grundstücks, angrenzend an den Sankt-Florian-Weg. Hier ist auch das berüchtigte Tor, aus Holz und Aluminium. Zumindest zur Hälfte.