Argentiniens Wirtschaft

Wie Argentinien zum teuersten Land Südamerikas wurde

Der ultraliberale Präsident Milei hat dem Land harte Reformen verordnet. So ist es ihm gelungen, den Haushalt auszugleichen und die Inflation zu drücken. Die Kehrseite ist die wachsende Armut.  

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Während der Burger von MacDonald's...den in Argentinien 6,95 Dollar fällig.  | Foto: Cristina Sille (dpa)
Während der Burger von MacDonald's in den USA 5,79 Dollar kostet, werden in Argentinien 6,95 Dollar fällig. Foto: Cristina Sille (dpa) 

Es ist noch nicht lange her, da war in den schicken Steak-Restaurants von Buenos Aires viel Portugiesisch zu hören. An den Wochenenden kamen die Brasilianer in Scharen in die argentinische Hauptstadt, um saftiges Grillfleisch und süffigen Rotwein zu Schnäppchenpreisen zu genießen. Jetzt essen sie ihr Churrasco lieber wieder daheim, denn Argentinien ist von einem der günstigsten zum teuersten Land Südamerikas geworden.

Eine Tasse Kaffee kostet in der Innenstadt von Buenos Aires umgerechnet 3,50 US-Dollar (aktuell 3,24 Euro), der Liter Milch 2,20 Dollar und das Tagesgericht in einem einfachen Restaurant 18 Dollar. Die Preise liegen deutlich höher als in den Nachbarländern Brasilien und Chile. Dabei beträgt der gesetzliche Mindestlohn in Argentinien gerade einmal rund 260 Dollar.

Argentiniens ultraliberaler Präsident Javier Milei hat dem hoch verschuldeten Land ein radikales Reformprogramm verordnet. Der Wirtschaftswissenschaftler entließ Tausende Staatsbedienstete, kürzte Subventionen und beendete die Finanzierung öffentlicher Ausgaben mit der Notenpresse.

Inflation von 25 auf 2,4 Prozent pro Monat gedrückt

Erstmals seit 2010 legte die Regierung in Buenos Aires einen ausgeglichenen Haushalt vor. Die Hyperinflation wurde deutlich gebremst. Die monatliche Inflationsrate sank von 25 Prozent zu Beginn von Mileis Amtszeit schrittweise auf zuletzt 2,4 Prozent. Die jährliche Teuerungsrate lag im Januar 2024 bei 254,3 Prozent, inzwischen sind es 66,9 Prozent.

Die schnellen Erfolge des Polit-Neulings werden auch außerhalb von Argentinien mit Interesse verfolgt. Während er anfangs vor allem für seine exzentrischen Auftritte mit Kettensäge und wilder Frisur bekannt war, nötigen die makroökonomischen Resultate nun Liberalen auf der ganzen Welt Respekt ab. Selbst der frühere Bundesfinanzminister Christian Lindner wollte in Deutschland "mehr Milei wagen".

Nur in der Schweiz ist der Big Mac noch teurer als in Argentinien

Die neue Wirtschaftspolitik hat allerdings Nebenwirkungen: Argentinien ist gemessen in US-Dollar mittlerweile das teuerste Land Südamerikas. Nach der jüngsten Erhebung des sogenannten Big-Mac-Index der Zeitschrift The Economist vom Januar ist der argentinische Peso rund 20 Prozent überbewertet. Während der Burger von MacDonald's in den USA 5,79 Dollar kostet, werden in Argentinien nach dem offiziellen Wechselkurs 6,95 Dollar fällig. Nur im Hochlohnland Schweiz ist der Big Mac noch teurer. Verantwortlich dafür ist, dass die monatliche Abwertung des Peso gegenüber dem US-Dollar unterhalb der Inflationsrate liegt. Mittlerweile leben 52,9 Prozent der Argentinier unterhalb der Armutsgrenze.

Wer hingegen gut in Pesos verdient, kann jetzt Schnäppchen im Ausland machen. Während der Sommerferien auf der Südhalbkugel strömten die wohlhabenden Argentinier an die Strände von Uruguay und Brasilien. Für die heimische Wirtschaft allerdings könnte der starke Peso langfristig zum Problem werden. Er macht Exporte teurer. Andererseits werden Importe billiger.

Schlagworte: Christian Lindner, Javier Milei
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