Verbraucherschützer

Werbung mit Comicfiguren verlockt Kinder zu ungesunder Ernährung

Von stark fetthaltigen Hörnchen über zuckrige Kaubonbons bis hin zu stark gesalzener Wurst – einige bei Kindern beliebte Comicfiguren preisen ungesunde Lebensmittel an.  

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Comicfiguren verführen Kinder zu ungesundem Essen.  | Foto: Foodwatch
Comicfiguren verführen Kinder zu ungesundem Essen. Foto: Foodwatch

BERLIN. Das zeigt eine Übersicht der Verbraucherschützer von Foodwatch, die sie am Freitag vorgestellt haben. Die Nichtregierungsorganisation nahm für ihren Marktcheck 34 Produkte unter die Lupe, die speziell für junge Verbraucher vermarktet werden – etwa mit der Biene Maja und dem Wikingerkind Wickie auf den Verpackungen.

Nur ein einziges der getesteten Produkte erfülle die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ausgewogene Lebensmittel, monierte Foodwatch. 33 der 34 untersuchten Waren dürften demnach nach den Kriterien der WHO gar nicht für Kinder beworben werden.

Gesetzlich reguliert ist das Marketing für Lebensmittel, die speziell für Kinder gedacht sind, in Deutschland jedoch nicht. Die WHO fordert seit Längerem, dass die Regierung auf diesem Feld aktiver wird. Die WHO hat ihre Nährwertkriterien kürzlich als eine mögliche Grundlage für gesetzliche Einschränkungen vorgelegt.

Das Sortiment der von Foodwatch untersuchten Produkte reicht von Joghurts, Milchgetränken und Müslis über Kaubonbons, Waffeln und Schokohörnchen bis hin zu Wurstaufschnitt. Das Ergebnis: Einige enthielten zu viel Zucker, andere zu viel Fett oder Salz, erklärte die Verbraucherschutzorganisation.

So bestünden etwa die mit Wickie beworbenen Kaubonbons von Hitschler zu rund 62,5 Prozent aus Zucker. Auf beide Kinderidole als Werbeträger setzt der Hersteller Kuchenmeister: Für dessen mit Milch- und Kakaocreme gefüllte Hörnchen (29 Prozent Fett, 23 Prozent Zucker) wirbt Wickie, die Biene Maja für einen Waffelsnack (25 Prozent Fett, 32 Prozent Zucker).

Nicht nur auf Süßwaren, auch auf Wurstaufschnitt prangen die Comicfiguren, etwa auf der Biene-Maja-Mortadella mit Truthahnfleisch des Herstellers Pluma. 100 Gramm davon enthalten 2,2 Gramm Salz – nach den WHO-Kriterien zu viel für Kinder.

Studien hätten gezeigt, dass Reklame mit beliebten Comicfiguren vor allem bei kleinen Kindern wirke. "Das Vertrauen der Kinder in ihre Lieblinge wird ausgenutzt, um ihnen möglichst viel zuckriges, fettiges und salziges Junkfood anzudrehen", erklärte der bei Foodwatch für das Marketing von Kinderartikeln verantwortliche Oliver Huizinga. Süßigkeiten und fettreiche Nahrung würden von Kindern ohnehin zu viel gegessen – dafür müsse man nicht noch gezielt Werbung machen und den Konsum ungesunder Speisen ankurbeln, sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler. "Es geht uns hierbei nicht darum, Schokolade generell zu verbieten", betonte er im Gespräch mit der BZ.

Die Vermarktungsrechte an Biene Maja und Wickie gehören Foodwatch zufolge dem belgischen Medienunternehmen Studio 100. Dieses verkauft Nutzungsrechte an Lebensmittelfirmen. Studio 100 mache sich somit mitverantwortlich für Fehlernährung und Übergewicht bei Kindern, kritisierte Foodwatch und forderte die Firma auf, seine Lizenzvergabe verantwortungsvoller zu gestalten. Das Unternehmen verweigerte laut Foodwatch eine schriftliche Stellungnahme zu seinen Kriterien für die Lizenzvergabe.

Auch Micky Maus und Sponge Bob werben für Süßigkeiten

Auch andere Unternehmen verleihen ihre Comicfiguren zu Werbezwecken an Lebensmittelhersteller – teilweise ebenfalls für nicht kindgerechte Produkte, beklagt Foodwatch. So wirbt Disneys Micky Maus für einen stark zuckerhaltigen Danone-Joghurt mit Knusper-Schokoladenstücken. Das Netzwerk Nickelodeon, das unter anderem die Rechte an der Figur Sponge Bob und an den Ninja Turtles hält, vergebe seine Lizenzen laut Foodwatch auch für die Vermarktung von Limonade und Süßigkeiten. Disney habe gegenüber Foodwatch angegeben, die eigenen Kriterien für die Lizenzvergabe derzeit zu überarbeiten.
Schlagworte: Sponge Bob, Micky Maus, Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler
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