Kulturlandschaft
Der Schwarzwaldhof wurde zum Bauernhaus des Jahres gekürt
Wohl keine andere Kulturlandschaft in Deutschland ist mit ihrer Bauernhausarchitektur so mythenhaft verwoben, wie der Schwarzwald. Deshalb würdigt die Interessengemeinschaft Bauernhaus (IgB) das Schwarzwaldhaus jetzt.
Sa, 29. Mär 2025, 7:00 Uhr
Titisee-Neustadt
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Schwarzwaldhäuser seien meist in Einzellagen entstanden, dicht an Berghänge gebaut. Gebäude wie diese seien in anderen Regionen nicht zu finden. Aber: Das eine Schwarzwaldhaus gebe es nicht. Je nach Region und Entstehungszeit habe sich eine Vielfalt an Konstruktionsweisen und Raumaufteilungen entwickelt.
Bestimmte Merkmale stimmten allerdings bei allen Bauten überein: Charakteristisch ist das große, oft bis zum Boden reichende Dach – ursprünglich bedeckt mit Schindeln oder Stroh –, das im Sommer vor Hitze und im Winter vor Schnee, Wind und Kälte schützt. Dach, Wände und Böden des Hauses sowie die tragende Konstruktion bestehen hauptsächlich aus standortnahem Holz. Daneben kamen Buntsandstein, Granit, Stroh und Lehm zum Einsatz. Unter dem Dach befinden sich die Wohnräume, die jedoch nur den geringsten Teil des Gebäudes in Anspruch nahmen. Vor allem bot es ausreichend Platz für das Vieh und die Ernte, wobei das Heu über eine Rampe oder Erdaufschüttung direkt in den Dachraum eingefahren und von dort in den darunterliegenden Stall abgeworfen werden konnte.
Die ältesten erhaltenen Schwarzwaldhäuser gehen auf das 16. Jahrhundert zurück. Mit der Industrialisierung und dem Strukturwandel, spätestens jedoch seit den 1950er-Jahren, seien sie weitgehend aus der landwirtschaftlichen Nutzung gefallen. Zahlreiche Exemplare haben man abgerissen. Außerdem sei Bausubstanz durch unsachgemäße Instandsetzungen verloren. Viele der gigantischen, landschaftsprägenden Bauten seien weiterhin akut gefährdet.
Beim Schwarzwaldhaus, so die Interessensgemeinschaft, müsse es jetzt darum gehen, das wertvolle baukulturelle Erbe mit größter Rücksicht auf die Originalsubstanz zu erhalten und gleichzeitig die Herausforderung zu meistern, sinnvolle wie nachhaltige Nutzungskonzepte umzusetzen.
2025 ernennt die Interessengemeinschaft Bauernhaus mit Sitz im niedersächsischen Syke bereits zum achten Mal einen ländlichen Haustyp zum Bauernhaus des Jahres. Organisiert wird die Aktion in diesem Jahr von Vereinsmitgliedern und anderen Aktiven aus der weiteren Region rund um den Schwarzwald – unter ihnen ausgewiesene Fachleute im Bereich der Erforschung und Instandsetzung von Schwarzwaldhäusern. Mit der Aktion Bauernhaus des Jahres will die IgB insgesamt eine größere Wertschätzung für den jahrhundertealten Gebäudebestand auf dem Land in seiner gewachsenen Umgebung erreichen. Damit zukünftig noch mehr leerstehende Gebäude langfristig wiederbelebt werden und bereits instandgesetzte Bauten bewahrt bleiben. Der Baukultur im Schwarzwald haben sich bereits einige regionale Initiativen angenommen. Die IgB begrüße, wenn man in ihrem Sinne – mit Eigenleistung bei der Instandsetzung und größter Rücksicht auf die originale Substanz – noch stärker für die Bewahrung der historischen Bauten aktiv sein kann.
Die 1973 gegründete Interessengemeinschaft Bauernhaus ist heute mit über 6000 Mitgliedern die einzige deutschlandweit aktive Organisation für die Bewahrung historischer ländlicher Bauten und ihrer Landschaft. Alte Häuser setzet der Verein nachhaltig, ressourcenschonend und mit natürlichen Materialien instand.
Die feierliche Würdigung des Schwarzwaldhauses als Bauernhaus des Jahres 2025 soll im April im Freilichtmuseum Vogtsbauernhof stattfinden.