Haustiere
Tiertherapeutin Birga Dexel behandelt Verhaltensstörungen von Katzen
Menschen schicken heutzutage nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Haustiere zum Therapeuten. Doch was sagt das über uns aus? Ein Besuch bei einer der Katzentherapeutin.
Lisa Förster
Mo, 7. Mai 2018, 20:10 Uhr
Panorama
Wir benötigen Ihre Zustimmung um BotTalk anzuzeigen
Unter Umständen sammelt BotTalk personenbezogene Daten für eigene Zwecke und verarbeitet diese in einem Land mit nach EU-Standards nicht ausreichenden Datenschutzniveau.
Durch Klick auf "Akzeptieren" geben Sie Ihre Einwilligung für die Datenübermittlung, die Sie jederzeit über Cookie-Einstellungen widerrufen können.
AkzeptierenMehr Informationen
Dass Menschen ihre Haustiere zum Therapeuten schicken, liegt im Trend. Es gibt Verhaltenstherapien für Katzen, Hunde, Pferde oder Vögel. Der Bundesverband praktizierender Tierärzte hält eine Verhaltenstherapie bei Haustieren grundsätzlich für sinnvoll. Sprecherin Astrid Behr verweist aber darauf, dass der Begriff des Tiertherapeuten nicht geschützt sei, weswegen man genau prüfen solle, ob ein Angebot seriös ist.
Dexel arbeitete früher im Auftrag des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) für den Schutz bedrohter Tierarten, bevor sie Fortbildungen in Tiertherapie absolvierte. Zwischen 30 und 400 Anfragen bekomme sie pro Woche. Nebenher bildet sie Katzentherapeuten in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus.
Dass Halter inzwischen ihre Tiere zur Therapie bringen, entspricht für Birgit Pfau-Effinger "einer neuen sozialen Sensibilität" in unserer Gesellschaft – die sich auch auf unser Verhältnis zu Tieren erstrecke. Die Professorin leitet an der Universität Hamburg eine soziologische Forschungsgruppe zum Mensch-Tier-Verhältnis. An der Tiertherapie lasse sich unser ambivalentes Verhältnis zu Tieren ablesen. Menschen unterscheiden zwischen verschiedenen Kategorien von Tieren, wie Pfau-Effinger sagt: "Haustiere erhalten einen eigenen Namen und werden ins Alltagsleben einbezogen. Sie unterscheiden sich damit ganz grundsätzlich von den sogenannten Schlachttieren, die anonym in Ställen der Massentierhaltung aufwachsen." Die einen werden vermenschlicht, die anderen geschlachtet.
Louis müsse ausgepowert werden, damit er Emmi nicht stresse, rät Dexel. "Er ist der Co-Therapeut und muss Emmi helfen, aus ihrer Angst herauszukommen. Wir brauchen jetzt für Emmi eine kontrollierte, stimulierende Atmosphäre." Wenn sich Emmi irgendwann heraus traue, könne auch sie trainiert werden.
"Diese Angststörungen kommen immer wieder bei Katzen vor. Das ist menschengemacht", sagt Dexel. Oft seien nicht die Tiere, sondern die Halter das Problem: Bevor die achtjährige Emmi zu ihren jetzigen Besitzern kam, war sie verwahrlost und süchtig nach Süßigkeiten gewesen. Ihre jetzigen Halter müssten Schokolade und Chips deswegen vor ihr wegsperren.
Die Besitzer würden ihre Tiere vermenschlichen, sagt Dexel. "Das ist das Problem. Häufig schließen die Menschen von sich auf die Katzen und denken sich dann: Die will mich ärgern, die will protestieren. Das ist Blödsinn. Menschen sind arrogant, hinterhältig und würden bewusst versuchen, jemanden zu provozieren." Katzen hingegen seien nicht so. "Sie werden unsauber, wenn sie Stress haben. Die wollen den Haltern nicht irgendetwas heimzahlen." Ob die Katzentherapeutin manchmal das Gefühl habe, sie therapiere eher die Halter, als deren Tiere? "Immer."