Kommentar
Je nach Identität des Täters wird mit zweierlei Maß gemessen
Ist ein Attentäter Islamist oder hat einen Migrationshintergrund, ist das ein großes Thema – zu Recht. Stammt der Attentäter aber aus rechtsextremen Kreisen, wird oft genug nicht genau hingeschaut.
Markus Decker
Mo, 31. Mär 2025, 20:00 Uhr
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Dass jetzt neue Nachrichten aus dem NSU-Komplex an die Öffentlichkeit dringen, wirkt wie einer jener Zufälle, die keine sind. Es scheint sich zu wiederholen, was zu beobachten war, als der NSU mordend durch Deutschland zog: Rechtsaußen wird nicht so genau hingeguckt. Die von Migranten – teils waren es abgelehnte Asylbewerber – begangenen Gewalttaten von Solingen, Magdeburg, Aschaffenburg und München waren zu Recht großes Thema. Viele fragten sich, ob sie für Humanität Sicherheitsrisiken in Kauf nehmen müssen. Doch auffällig ist, dass rechtsextreme Motive von Behörden häufig selbst dann schnell ausgeschlossen werden, wenn sie naheliegen. Wie bei der Amokfahrt von Mannheim heißt es, ein solches Motiv sei nicht erkennbar. Geht ein Gewaltakt auf einen Ausländer zurück, ist eine Sitzung des Bundestagsinnenausschusses nicht fern. War es ein Deutscher ohne Migrationshintergrund und ist der Beweggrund nicht islamistisch, ist die Empörung geringer. Nach dem Anschlag eines Deutsch-Iraners am Olympia-Einkaufszentrum von München 2016 sollte das Sicherheitskabinett tagen. Als sich herausstellte, dass der Täter kein Islamist war, wurde die Sitzung abgesagt. Es dauerte drei Jahre, bis die Tat als rechtsextremistisch eingestuft wurde. Es wird, je nach Identität des Täters oder der Opfer, mit zweierlei Maß gemessen. Das darf nicht sein.