Es rockt, auch wenn es kein Rock ist
E-Gitarre ist, was man draus macht: Die Beatsteaks und Jan Delay & Disko No. 1 haben am selben Abend in Freiburg gespielt.
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Mit seinem aktuellen Album "Hammer & Michel" hat sich Delay nun aber erstmals in die Nesseln gesetzt. Der Fehler: Der 38-Jährige hat es vollmundig als Rockalbum angekündigt und einen Song nach dem Hard- und Heavy-Mekka Wacken benannt. Vor allem meinungsmachende Medien fanden es uncool, dass ein Styler wie er nun einem wertkonservativen Sound huldigen will. Als das Album dann da war, wurde Delay auch noch vorgeworfen, dass die Songs alles tun, nur nicht rocken oder nach Wacken klingen.
Dabei wollte Delay doch nur tun, was er seit Beginn seiner Solokarriere 2003 immer getan hat: Er wollte keinen Stilwandel einleiten, sondern seiner Musik einfach eine weitere Farbe hinzufügen. Wie gut Rockriffs zu seinen Songs passen, wie nahtlos sie sich live in den Sound einfügen, das hat Delays Konzert am Dienstag in der Freiburger Rothaus-Arena aufs Schönste bewiesen. Das Beste der 60er, 70er, 80er, 90er und heute – dieser Werbespruch des Formatradios passt perfekt auf Delay und seine Bigband der anderen Art, die elfköpfige Disko No. 1 – nur dass der Sänger und sein Ensemble einen viel, viel besseren Geschmack haben als die Dudelfunker. Am Ende der knapp zweistündigen Show vor 1500 Zuhörern steht daher die Erkenntnis: Es rockt, auch wenn es kein Rock ist. E-Gitarre ist eben, was man draus macht.
Das gilt auch für die Band, die zur selben Zeit am anderen Ende der Stadt auftritt. Angefangen haben die Beatsteaks in den Neunzigern in kleinen Schuppen vor noch kleinerem Publikum, heute spielen sie in großen Mehrzweckhallen vor Tausenden von Fans. Für Bands dieser Größenordnung gehört es inzwischen zum guten Ton, vor einer Arena-Tour zum Warmspielen und/oder zur Pflege ihrer Wurzeln durch (eigentlich viel zu) kleine Clubs zu tingeln. Deshalb spielen die Beatsteaks am Dienstag im Jazzhaus, zu dem sie eine besondere Bindung haben. "Am 12. Januar 1998 war das, auf unserer allerersten Tour", erinnert sich Frontmann Arnim am Anfang des Konzerts mit Hilfe seiner Kollegen. Ohnehin scheint Freiburg im Herzen der Berliner einen besonderen Platz zu haben. Auf Social-Media-Kanälen wurde dem Auftritt im "wahrscheinlich besten Klub Deutschlands" entgegen gefiebert, auf dem Schlagzeug steht mit Klebeband "Freiburg für alle".
Der Abend verläuft dann so: Peter Baumann, Bernd Kurtzke, Thomas Götz, Torsten Scholz und Arnim Teutoburg-Weiß kommen freundlich nickend auf die mit Equipment vollgeladene Bühne, greifen ihre Instrumente – und rocken. Im ausverkauften Jazzhaus herrscht ab der ersten Sekunde Euphorie. Bald entwickelt sich der Gewölbekeller zur wogenden Tanzfläche mit Saunatemperatur.
Den musikalischen Kosmos öffnen die Berliner dabei von knarzendem, gebrülltem Punk Baujahr 1997 bis zum melodisch coolen 2014er Pop mit süßlich gesungenem Refrain. Dazwischen wird anderen Bands kurz gehuldigt, zum Beispiel Danzig und Pennywise. Von The Police wird mit "So Lonely" gleich ein ganzes Stück performt.
Und noch jemandem erweisen die Beatsteaks ihre Reverenz: "Der nächste Song ist für den besten Trainer der Fußball-Bundesliga", widmet Fußballfan Arnim den Hit "Hand in Hand" SC-Coach Christian Streich. Nach zwei Stunden und zwei Zugaben verabschieden sich die Berliner. "Ihr seid unglaublich, Freiburg", sagt Arnim mit einem breiten Grinsen, während das Wasser von der Decke tropft – das Ende eines besonderen Freiburger Abends im Zeichen der E-Gitarre.
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