Tierischer Nachwuchs

Vier Amselbabys schlüpfen im Blumenkasten eines Freiburgers

Als der Freiburger Jürgen Brandes Geranien in seinen Blumenkasten setzen will, staunt er nicht schlecht. Denn der Platz ist bereits belegt – von vier Amselbabys. Dem Nabu zufolge keine Seltenheit.  

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Hungeeeeer: So sieht es aus, wenn ein Amselbaby auf Futter wartet.  | Foto: Jürgen Brandes
Hungeeeeer: So sieht es aus, wenn ein Amselbaby auf Futter wartet. Foto: Jürgen Brandes

"Ich hab mich richtig erschrocken", sagt Jürgen Brandes, "als ich das Fenster aufgemacht habe und sich mir aus dem Blumenkasten vier winzige Vogelschnäbelchen entgegengestreckt haben". Der Freiburger lebt mitten in der Innenstadt, auf der Insel zwischen Fischer- und Gerberau. Zu welcher Art die vier vergangene Woche noch federlosen Vogelbabys auf seinem Fensterbrett gehören, hat er schnell herausgefunden. "Kaum hatte ich die Vögelchen entdeckt, haben mich auch schon zwei ausgewachsene Amseln attackiert." Inzwischen haben die Babys die Augen geöffnet "und sie werden unter lautem Geschrei fleißig von ihren Eltern gefüttert". Nachts wechselten sich die Vögel mit dem Wärmen der Brut ab. "Ich hoffe sehr, dass alle durchkommen", sagt der 78-Jährige.

Seit Brandes seine neuen Mitbewohner entdeckt hat, führt ihn sein erster Gang nach dem Aufstehen immer zum Küchenfenster, um zu gucken, wie es den Kleinen geht. Er dokumentiert die Entwicklung der Amselbabys mit dem Smartphone und schickt die Bilder an Bekannte. "Nach einigen Tagen haben sie die Augen geöffnet, jetzt bekommen sie langsam Federn." Auch die ganze Nachbarschaft würde "dieses wunderbare Naturereignis" verfolgen und mitfiebern, ob alle überleben. Darüber freut sich Brandes, der aus der Gegend von Hannover stammt, viele Jahre als Goldschmied in der Ölmühle auf der Insel gearbeitet hat und seit 1996 im Haus gegenüber wohnt.

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"Es ist tatsächlich gar nicht so selten, dass Vögel – insbesondere Amseln – ihre Nester in der Nähe von Menschen bauen, selbst in dicht besiedelten Innenstädten", sagt Ralf Schmidt, Vorsitzender des Freiburger Naturschutzbundes (Nabu): "Verschiedene Vogelarten passen sich erstaunlich gut an menschliche Umgebungen an, da diese Orte oftmals Schutz vor natürlichen Feinden und eine stabile Nahrungsversorgung bieten." Amseln sind Schmidt zufolge besonders anpassungsfähig. Sie nutzten Hecken, Büsche, Balkone oder eben Blumenkästen als Nistplatz. "Gerade in Städten finden sie häufig ähnliche Strukturen wie in der Natur vor – Gärten, Parks und Grünflächen." Die Nähe zu Menschen schrecke sie häufig nicht ab, solange sie sich sicher fühlten. Zudem verlagere der Mangel an natürlichen Lebensräumen in der modernen Landschaftsgestaltung immer mehr Vogelpopulationen in städtische Gebiete. "Man könnte sagen, Amseln sind kleine Opportunisten, die sich urbanen Gegebenheiten mit viel Einfallsreichtum anpassen."

Vogelnester dürfen während Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit nicht versetzt werden

So auch auf der Insel. Brandes gewährt den Amseln gerne Asyl in seinem Blumenkasten. Davon, Vogelnester umzusetzen, rät Nabu-Vorsitzender Schmidt entschieden ab. Nicht nur, weil es das Bundesnaturschutzgesetz verbietet, wildlebende Tiere während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit zu stören, sondern auch, weil eine Versetzung die Amseln verwirren und sogar dazu führen könnte, dass die Vögel ihre Brut verlassen. "Und das würde ihre Überlebenschancen drastisch verringern." Ohnehin sei die Brutzeit begrenzt. "Meistens ziehen die Jungtiere nach zwei bis drei Wochen aus und die Eltern kehren nur kurz danach noch einmal zurück", erklärt Schmidt. Sollte das Nest sehr exponiert oder beispielsweise durch Bauarbeiten gefährdet sein, "kann man versuchen, den Bereich vorübergehend abzusichern oder Sichtschutz anzubringen".

Neben Menschen sind vor allem auch Katzen eine Gefahr für Vogelbabys, wie Schmidt bestätigt. Selbst gut gefütterte Katzen jagten instinktiv. Noch flugunfähige Vögelchen seien eine leichte Beute. "Studien haben gezeigt, dass Katzen erheblich zur Dezimierung von Vogelbeständen beitragen", sagt Schmidt. Bei Jürgen Brandes besteht diese Gefahr nicht. Er lebt im zweiten Stock und hat keine Katze. Aber eine Hündin: Seinen Cockerspaniel Lotta bezeichnet er schmunzelnd als perfekte Partnerin: "Sie widerspricht nicht und freut sich immer, mich zu sehen." Und: Sie jagt keine Vogelbabys.

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Schlagworte: Ralf Schmidt, Jürgen Brandes, Nabu-Vorsitzender Schmidt
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