Leserbrief: Enttäuschung über die Russlanddeutschen
Sevgi Tarim-Zelzer (Lahr)
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Als jemand, der seit Jahren in Lahr lebt, kann ich meine Empörung über das Wahlergebnis kaum in Worte fassen. Besonders schockierend ist für mich, dass offenbar viele Russlanddeutsche, die hier in Lahr eine neue Heimat gefunden haben und schnell Unterstützung in allen Lebensbereichen erhielten, nun ausgerechnet eine Partei wie die AfD wählen.
Seit den 1990er-Jahren sind Tausende Russlanddeutsche nach Lahr gekommen. Sie wurden umfassend unterstützt: Es gab finanzielle Hilfen, Sprachkurse, Integrationsprogramme, schnelle Einbürgerungen und viele soziale Maßnahmen. Wohnraum wurde bereitgestellt, Kinder erhielten Förderungen in Schulen, und es gab zahlreiche Vereine und Organisationen, die den Neuankömmlingen den Weg in die Gesellschaft ebneten.
Und jetzt wählen viele dieser Menschen eine Partei, die sich offen gegen Migration stellt? Eine Partei, die nicht einmal vor Plänen zurückschreckt, deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund auszugrenzen? Es ist unfassbar, dass diejenigen, die selbst von Integrationsmaßnahmen profitiert haben, nun eine Partei unterstützen, die nichts anderes tut, als Hass, Spaltung und Nationalismus zu schüren.
Was erwarten die Russlanddeutschen von der AfD? Eine Verbesserung ihrer Lebenssituation? Mehr Sicherheit? Die AfD setzt sich nicht für soziale Gerechtigkeit ein, sondern will Sozialleistungen kürzen. Sie will den Sozialstaat abbauen, von dem viele Russlanddeutsche profitiert haben. Sie will ein "echtes deutsches Volk" definieren – und dabei könnten gerade die, die aus Russland nach Deutschland gekommen sind, am Ende selbst als "nicht deutsch genug" gelten.
Die AfD ist keine Partei der konservativen Werte oder der Sicherheit – sie ist eine Partei, die unsere Demokratie und unser friedliches Zusammenleben gefährdet. Wer denkt, er könne mit einer Protestwahl der AfD "einen Denkzettel verpassen", sollte sich bewusst machen, dass er damit diejenigen stärkt, die am Ende vielleicht selbst gegen ihn stehen.
Es ist enttäuschend zu sehen, dass eine Gruppe, die so viel Unterstützung erfahren hat, sich einer Partei zuwendet, die andere ausgrenzen will. Vielleicht sollten sich einige daran erinnern, was für ein Geschenk es war, hier eine neue Heimat zu finden .Sevgi Tarim-Zelzer, Lahr