Leserbrief: Das Winzersterben ist in vollem Gange
Bernd Sacherer (Sasbach)
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"Die Vorteile überwiegen"? Die konstruktiven Kritiker dieser überdimensionierten Flurbereinigung sehen dies anders. In einer Zeit, in der flurbereinigte, gut bewirtschaftbare Flächen brach fallen beziehungsweise keine Pacht mehr zu erwirtschaften ist oder gezahlt wird, in der Kosten trotz Rationalisierung explodieren, Preise für Wein in den Keller fallen und weniger Wein getrunken wird, 5,7 Millionen Euro für eine "neue" Flurbereinigung auszugeben, ist in vielerlei Hinsicht sinnlos. Egal wie stark man sich bemüht, wird der Kaiserstuhl nie die Wirtschaftlichkeit anderer Weinbaugebiete wie Pfalz oder Rheinhessen, geschweige denn Überseeländern, erreichen können.
Die einzige Möglichkeit ist, sich auf seine Stärken zu besinnen: Die faszinierende Landschaft mit ihrer Kleinstruktur, ihrer einzigartigen Natur und die Lebensart der hiesigen Bevölkerung. Dies bedeutet z.B. nachhaltiger Weinbau, auch mit Hilfe von PIWIs, mehr ökologischer Qualitätsweinbau und Aufklärung der Gäste.
Das Winzersterben ist in vollem Gange. Winzern, die auf bisherige Pachteinnahmen zur Rentenaufstockung angewiesen sind, droht Altersarmut. Befürworter der Flurbereinigung (meist Pächter, die sie nicht zahlen müssen) und Investoren lachen sich ins Fäustchen, ist doch Fläche nahezu pachtfrei zu bewirtschaften beziehungsweise billig zu bekommen. Statt mit viel Aufwand neue Böschungen anzulegen, wäre die Pflegeertüchtigung durch Roden von Randreihen und damit weniger Abdrift sofort erreicht worden.
Kostengünstiger, naturverträglicher und nachhaltiger wäre es gewesen, auf freiwilligen, gut bezuschussten Landtausch, Kleinplanien und lediglich Verbesserung des Wegenetzes zu setzen. Diese Strategie wurde leider von vorneherein abgelehnt.
Die hier brachial durchgeführte Planie hat etliche nach § 33 Naturschutzgesetz geschützte Biotope und kleine Hohlgassenfragmente, die laut Plan zu erhalten gewesen wären, unwiederbringlich zerstört! Damit der bei Flurbereinigungsverfahren gesetzlich vorgeschriebene ökologische Mehrwert überhaupt geschaffen werden kann, muss nun massiv nachgebessert werden.
Ist etwa Fristeinhaltung zur Fertigstellung, als Ursache dieser Zerstörung, wichtiger als Naturschutzrecht? Wird demnächst das nächste Biotop wirtschaftlichen Interessen geopfert?
Bernd Sacherer, Sasbach